Leicht verstehen: „Kleider machen Leute“: Überblick über die Teile

Im folgenden wollen wir Schülern helfen, möglichst schnell in den Text der Novelle „Kleider machen Leute“ hineinzukommen.

Deshalb geben wir einen Überblick über die Entwicklung in der Novelle und stellen dabei die wichtigsten Textstellen genauer vor.

Bisher gibt es die Teile:

  1. Leicht verstehen: „Kleider machen Leute“: Teil 1: Armer Schneider wird als Graf behandelt
    https://wvm.schnell-durchblicken3.de/highlight-hoerbuch-kleider-machen-leute-teil-1-armer-schneider-wird-als-graf-behandelt/
  2. Leicht verstehen: „Kleider machen Leute“: Teil 2: Falscher Graf lernt echtes Mädchen kennen
    https://wvm.schnell-durchblicken3.de/leicht-verstehen-kleider-machen-leute-teil-2-falscher-graf-lernt-echtes-maedchen-kennen/
  3. Leicht verstehen: „Kleider machen Leute“: Teil 3: Und sie kriegen sich doch – trotz des Skandals
    https://wvm.schnell-durchblicken3.de/leicht-verstehen-kleider-machen-leute-teil-3-happy-end/
  4. Abschließende Zusammenstellung wichtiger Verständnisfragen mit differenzierten Antworten – gut für Prüfungen und Klassenarbeiten geeignet:
    https://wvm.schnell-durchblicken3.de/highlight-hoerbuch-kleider-machen-leute/

Leicht verstehen: „Kleider machen Leute“: Teil 1: Armer Schneider wird als Graf behandelt

„Kleider machen Leute“: Teil 1: Armer Schneider wird als Graf behandelt

Vorbemerkung: Wenn wir in Klammern Seitenzahlen angeben, so beziehen sie sich auf die Reclam-Ausgabe.

Was hier als Text erscheint, kann man sich auch als mp3-Datei „auf die Ohren“ legen lassen. Dann kann man sich voll auf die eigene Textausgabe konzentrieren und dort wichtige Textstellen markieren und ggf. auch nachlesen.

Worum geht es überhaupt in der Erzählung?

In der Erzählung „Kleider machen Leute“ von Gottfried Keller, geht es um „ein armes Schneiderlein“ (3), das in der Stadt Seldwyla seinen Job verloren hat und sich auf den Weg in die Nachbarstadt Goldach macht, um dort sein Glück zu versuchen.

Noch eine kurze Bemerkung zur „Novelle“, wie man eine solche Erzählung auch nennt. Wichtig ist dabei, dass es in ihr um etwas Besonderes geht, das auch mehr oder weniger dramatisch präsentiert wird.

Dazu kommt, dass in Novellen häufig bestimmte Dinge eine Rolle spielen – und in dieser Geschichte geht es um Kleider, wie der Titel schon deutlich macht.

Wie der arme Schneider in sein Grafen-Schicksal hineinrutscht

Unterwegs hat der Mann das Glück, vom Kutscher einer herrschaftlich aussehenden Kutsche mitgenommen zu werden. Da er einen sehr edel aussehenden Mantel trägt, wird er nach der Ankunft im Gasthof zur Waage für einen Adligen gehalten und schon ist es passiert:

S. 5: „Der Raum zwischen dem Reisewagen und der Pforte des Gasthauses war schmal und im übrigen der Weg durch die Zuschauer ziemlich gesperrt. Mochte es nun der Mangel an Geistesgegenwart oder an Mut sein, den Haufen zu durchbrechen und einfach seines Weges zu gehen – er tat dieses nicht, sondern ließ sich willenlos in das Haus und die Treppe hinan geleiten und bemerkte seine neue seltsame Lage erst recht, als er sich in einen wohnlichen Speisesaal versetzt sah und ihm sein ehrwürdiger Mantel dienstfertig abgenommen wurde.“

Wie der Schneider vergeblich versucht, seinem Schicksal zu entfliehen

Und genau im gleichen Stil geht es weiter:

S. 5: „‚Der Herr wünscht zu speisen?‘ hieß es, ‚Gleich wird serviert werden, es ist eben gekocht!'“

Während der Wirt mit der Köchin berät, wie man mit der ungeplanten Situation am besten fertig wird, „befand sich der Schneider (heißt es im Text auf S. 7) in der peinlichsten Angst, da der Tisch mit glänzendem Zeuge gedeckt wurde, und so heiß sich der ausgehungerte Mann vor kurzem noch nach einiger Nahrung gesehnt hatte, so ängstlich wünschte er jetzt der drohenden Mahlzeit zu entfliehen. Endlich fasste er sich einen Mut, nahm seinen Mantel um, setzte die Mütze auf und begab sich hinaus, um den Ausweg zu gewinnen. Da er aber in seiner Verwirrung und in dem weitläufigen Hause die Treppe nicht gleich fand, so glaubte der Kellner, den der Teufel beständig umhertrieb, jener suche eine gewisse Bequemlichkeit, rief: ‚Erlauben Sie gefälligst, mein Herr, ich werde Ihnen den Weg weisen!‘ und führte ihn durch einen langen Gang, der nirgend anders endigte als vor einer schön lackierten Türe, auf welcher eine zierliche Inschrift angebracht war.

Und so landet der arme Schneider im Toilettenbereich. Im Text heißt es:

„Also ging der Mantelträger ohne Widerspruch, sanft wie ein Lämmlein, dort hinein und schloss ordentlich hinter sich zu. Dort lehnte er sich bitterlich seufzend an die Wand und wünschte der goldenen Freiheit der Landstraße wieder teilhaftig zu sein, welche ihm jetzt, so schlecht das Wetter war, als das höchste Glück erschien.“

Interessant der Kommentar des Erzählers:

S. 8: „Doch verwickelte er sich jetzt in die erste selbsttätige Lüge, weil er in dem verschlossenen Raume ein wenig verweilte, und er betrat hiemit den abschüssigen Weg des Bösen.“

Wie der Schneider sich immer mehr bewirten lässt

Jetzt kommt er nicht mehr davon, sondern muss sich ordentlich bewirten lassen.

Als er beim Trinken mal zögert, bietet ihm der Wirt gleich einen noch besseren Wein an:

S. 9: „Da beging der Schneider den zweiten selbsttätigen Fehler, indem er aus Gehorsam ja statt nein sagte, und alsobald verfügte sich der Waagwirt persönlich in den Keller, um eine ausgesuchte Flasche zu holen; denn es lag ihm alles daran, daß man sagen könne, es sei etwas Rechtes im Ort zu haben.“

Wie der Schneider sich ins anscheinend Unvermeidliche fügt

So geht es immer vorsichtig weiter, bis es dann doch zu einer Veränderung kommt:

S. 10: Bisher „war es nicht der Rede wert, was der Gast bis jetzt zu sich genommen“, jetzt aber „begann der Hunger, der immerfort so gefährlich gereizt wurde, nun den Schrecken zu überwinden, und als die Pastete von Rebhühnern erschien, schlug die Stimmung des Schneiders gleichzeitig um, und ein fester Gedanke begann sich in ihm zu bilden. »Es ist jetzt einmal, wie es ist!« sagte er sich, von einem neuen Tröpflein Weines erwärmt und aufgestachelt; »Nun wäre ich ein Tor, wenn ich die kommende Schande und Verfolgung ertragen wollte, ohne mich dafür satt gegessen zu haben! Also vorgesehen, weil es noch Zeit ist! Das Türmchen, was sie da aufgestellt haben, dürfte leichtlich die letzte Speise sein, daran will ich mich halten, komme, was da wolle! Was ich einmal im Leibe habe, kann mir kein König wieder rauben!«

Und so isst er sich richtig satt und denkt erst mal nicht mehr über die Folgen nach.

Der Streich des Kutschers

Inzwischen verfestigt sich das Gefühl der Leute, einen edlen Herrn zu behergergen – und das liegt am Kutscher, der auch was zu essen bekommen hat und jetzt weiterfahren will:

S. 11: „Die Angehörigen des Gasthofes zur Waage konnten sich nun nicht länger enthalten und fragten, eh es zu spät wurde, den herrschaftlichen Kutscher geradezu, wer sein Herr da oben sei und wie er heiße? Der Kutscher, ein schalkhafter und durchtriebener Kerl, versetzte: ‚Hat er es noch nicht selbst gesagt?‘

‚Nein‘, hieß es, und er erwiderte: ‚Das glaub ich wohl, der spricht nicht viel in einem Tage; nun, es ist der Graf Strapinski! Er wird aber heut und vielleicht einige Tage hierbleiben, denn er hat mir befohlen, mit dem Wagen vorauszufahren.'“

Interessant auch hier wieder der Kommentar des Erzählers:

S. 11: „Er machte diesen schlechten Spaß, um sich an dem Schneiderlein zu rächen, das, wie er glaubte, statt ihm für seine Gefälligkeit ein Wort des Dankes und des Abschiedes zu sagen, sich ohne Umsehen in das Haus begeben hatte und den Herren spielte. Seine Eulenspiegelei aufs Äußerste treibend, bestieg er auch den Wagen, ohne nach der Zeche für sich und die Pferde zu fragen, schwang die Peitsche und fuhr aus der Stadt, und alles ward so in der Ordnung befunden und dem guten Schneider aufs Kerbholz gebracht.“

Wichtige Leute aus dem Ort kommen hinzu

Nach einiger Zeit treffen die Leute aus dem Ort auch ein, die erwartet worden waren. Am Anfang sind sie ein bisschen skeptisch:

S. 13: „Also das sollte ein polnischer Graf sein? Den Wagen hatten sie freilich […]gesehen; auch wußte man nicht, ob der Wirt den Grafen oder dieser jenen bewirte; doch hatte der Wirt bis jetzt noch keine dummen Streiche gemacht; er war vielmehr als ein ziemlich schlauer Kopf bekannt, und so wurden denn die Kreise, welche die neugierigen Herren um den Fremden zogen, immer kleiner, bis sie sich zuletzt vertraulich an den gleichen Tisch setzten.“

Der Plan, gemeinsam den Amtmann zu besuchen

Sie verstehen sich recht gut mit dem angeblichen Grafen und beschließen schließlich, mit ihm zusammen einen Amtmann in der Nachbarschaft zu besuchen, der (S. 14)„erst vor wenigen Tagen gekeltert hatte, und seinen neuen Wein […] zu kosten.“ Einer der Herren lässt seine eigene Kutsche kommen und bald ist man unterwegs.

Was den angeblichen Grafen angeht, so heißt es am Ende dieses Abschnittes: S. 14: „Der Wein hatte seinen Witz erwärmt; er überdachte schnell, daß er bei dieser Gelegenheit am besten sich unbemerkt entfernen und seine Wanderung fortsetzen könne; den Schaden sollten die törichten und zudringlichen Herren an sich selbst behalten. Er nahm daher die Einladung mit einigen höflichen Worten an und bestieg [… ]den Jagdwagen.“

Und wieder hat der Schneider Glück – er kann sogar reiten!

Auch hier kommt dem Schneider der Zufall zuhilfe, so dass er immer mehr in seine Rolle als Graf hineinwächst:

S. 14:„Nun war es eine weitere Fügung, dass der Schneider, nachdem er auf seinem Dorfe schon als junger Bursch dem Gutsherren zuweilen Dienste geleistet, seine Militärzeit bei den Husaren abgedient hatte und demnach genugsam mit Pferden umzugehen verstand. Wie daher sein Gefährte höflich fragte, ob er vielleicht fahren möge, ergriff er sofort Zügel und Peitsche und fuhr in schulgerechter Haltung in raschem Trabe durch das Tor und auf der Landstraße dahin, so dass die Herren einander ansahen und flüsterten: ‚Es ist richtig, es ist jedenfalls ein Herr!'“

Als nächstes kommt eine junge Frau ins Spiel – darauf gehen wir dann auch noch ein. Bitte etwas Geduld.

Leicht verstehen: „Kleider machen Leute“: Teil 2: Falscher Graf lernt echtes Mädchen kennen

„Kleider machen Leute“: Teil 2: Ein falscher Graf lernt ein echtes Mädchen kennen (S. 14-31)

Wer sich das Folgende als Hörbuch „auf die Ohren“ legen möchte, der kann die entsprechende Datei hier aufrufen:

Der Schneider, den alle für einen polnischen Grafen halten, hat sich von wichtigen Leuten in der Stadt zu einem Besuch des Amtsrates in der Nachbarschaft überreden lassen. Dort wird tüchtig getrunken, Auch ein bisschen um Geld gespielt. Während die meisten Teilnehmer der Runde auch hier wieder der Meinung sind, dass dieser Graf echt ist, sieht das bei einem ganz anders aus. Auf Seite 16 heißt es:

“Nur Melcher Böhni, der Buchhalter, als ein geborener Zweifler, rieb sich vergnügt die Hände und sagte zu sich selbst: Ich sehe es kommen, daß es wieder einen Goldacher Putsch gibt, ja, er ist gewissermaßen schon da! Es war aber auch Zeit, denn schon sind’s zwei Jahre seit dem letzten! Der Mann dort hat mir so wunderlich zerstochene Finger, vielleicht von Praga oder Ostrolenka her! Nun, ich, werde mich hüten, den Verlauf zu stören!”

Dann geht es um ein Glücksspiel, bei dem jeder Geld einsetzen muss – auch hier ist es dieser Melchior Böhni, der dem falschen Grafen mit einem Geldstück aushilft und ihn immer mehr durchschaut. Auf S. 17 heißt es:
“Böhni, welcher ihn fortwährend scharf betrachtete, war jetzt fast im klaren über ihn und dachte: Den Teufel fährt der in einem vierspännigen Wagen! Weil er aber zugleich bemerkte, dass der rätselhafte Fremde keine Gier nach dem Gelde gezeigt, sich überhaupt bescheiden und nüchtern verhalten hatte, so war er nicht übel gegen ihn gesinnt, sondern beschloss, die Sache durchaus gehen zu lassen.”

Dann wird es spannend, denn der falsche Graf hat einiges Geld gewonnen und will die nächste Gelegenheit nutzen, um zu verschwinden. Danach will er von dem Geld seine Kosten in Goldach bezahlen.

Er geht also spazieren, entfernt sich immer weiter und hat es fast geschafft, als plötzlich der Amtsrat mit seiner Tochter auftaucht. Er wird jetzt noch zum Abendbrot eingeladen und ist somit wieder gefangen.

Allerdings hat sich etwas verändert, was der Erzähler auf S. 18 so formuliert:

“ Denn eine neue Wendung war eingetreten, ein Fräulein beschritt den Schauplatz der Ereignisse. Doch schadete ihm seine Blödigkeit und übergroße Ehrerbietung nichts bei der Dame; im Gegenteil, die Schüchternheit, Demut und Ehrerbietung eines so vornehmen und interessanten jungen Edelmanns erschien ihr wahrhaft rührend, ja hinreißend. Da sieht man, fuhr es ihr durch den Sinn, je nobler, desto bescheidener und unverdorbener; merkt es euch, ihr Herren Wildfänge von Goldach, die ihr vor jungen Mädchen kaum mehr den Hut berührt!”

Der falsche Graf blüht jetzt richtig auf, was der Erzähler auf S. 19 so formuliert:
“…kurz, das Schneiderblütchen fing in der Nähe des Frauenzimmers an, seine Sprünge zu machen und seinen Reiter davonzutragen.”

Aber erst mal geht es wieder nach Goldach zurück, wo der falsche Graf plötzlich das Problem hat, dass er für die anstehende Übernachtung überhaupt nichts dabei hat. Der Wirt will jetzt schnell einen Boten schicken, der den Kutscher dazu bringt, dass angeblich vergessener Gepäck im Gasthof zurückzulassen, aber dem kann der falsche Graf entgehen, indem er den Eindruck erweckt, dass er politisch verfolgt sei und erst mal unter tauchen müsse.

Er macht dann am nächsten Tag einen Gang durch die Stadt – und will wieder einmal die Gelegenheit nutzen, um zu verschwinden, aber wieder begegnet er Nettchen – und das führt dazu, dass er wieder in die Stadt zurückkehrt. Wie sehr das Interesse an diesem Mädchen den falschen Grafen verändert, macht der Erzähler auf S. 26 so deutlich:

“Nun war der Geist in ihn gefahren. Mit jedem Tage wandelte er sich, gleich einem Regenbogen, der zusehends bunter wird an der vorbrechenden Sonne. Er lernte in Stunden, in Augenblicken, was andere nicht in Jahren, da es in ihm gesteckt hatte wie das Farbenwesen im Regentropfen. Er beachtete wohl die Sitten seiner Gastfreunde und bildete sie während des Beobachtens zu einem Neuen und Fremdartigen um; besonders suchte er abzulauschen, was sie sich eigentlich unter ihm dächten und was für ein Bild sie sich von ihm gemacht. Dies Bild arbeitete er weiter aus nach seinem eigenen Geschmacke, zur vergnüglichen Unterhaltung der einen, welche gern etwas Neues sehen wollten, und zur Bewunderung der anderen, besonders der Frauen, welche nach erbaulicher Anregung dürsteten. So ward er rasch zum Helden eines artigen Romanes, an welchem er gemeinsam mit der Stadt und liebevoll arbeitete, dessen Hauptbestandteil aber immer noch das Geheimnis war.”

Aber

Aber nachts schlägt ihm dann doch das Gewissen – und so schwankt er zwischen Bleiben und der Absicht, bei nächster Gelegenheit doch zu verschwinden.

In der Zwischenzeit erprobt er weiter sein Glück in verschiedenen Lotterien und macht dabei auch einiges Geld.

Jetzt könnte er verschwinden, wenn da nicht Nettchen wäre. Also wählt er einen Mittelweg (S. 28):
“Anstatt aber kurz abzubinden, seine Schulden gradaus zu bezahlen und abzureisen, gedachte er, wie er sich vorgenommen, eine kurze Geschäftsreise vorzugehen, dann aber von irgendeiner großen Stadt aus zu melden, daß das unerbittliche Schicksal ihm verbiete, je wiederzukehren; dabei wolle er seinen Verbindlichkeiten nachkommen, ein gutes Andenken hinterlassen und seinem Schneiderberufe sich aufs neue und mit mehr Umsicht und Glück widmen oder auch sonst einen anständigen Lebensweg erspähen. Am liebsten wäre er freilich auch als Schneidermeister in Goldach geblieben und hätte jetzt die Mittel gehabt, sich da ein bescheidenes Auskommen zu begründen; allein es war klar, dass er hier nur als Graf leben konnte.”

Aus dieser Kurzzeit-Flucht wird aber nichts, denn als er das verkündet, ist Nettchen, die inzwischen schon hin und wieder “Gräfin” genannt wird, erst entsetzt, dann verzweifelt. Glücklicherweise kommt es dann aber zu einer Zweier-Begegnung im Garten, wo sich alles klärt und sie sich glücklich unter Tränen in die Arme fallen (29/30).

Nettchen erklärt ihrem Vater dann auch: Dieser Graf – und sonst keiner!” und bekommt dann auch schnell die entsprechende Erlaubnis.

Im nächsten Teil werden wir dann sehen, dass aus der geplanten Verlobungsfeier nichts wird.

 

Umgang mit schwierigen Informationsquellen (Facharbeit, Studium)

Facharbeit  – das Verlassen des Schutzraums Schule

Wenn man eine Facharbeit schreibt, verlässt man den Schutzraum Schule. Gemeint ist damit, dass Schulbücher und Lehrkräfte sich immer bemühen, Infos und Materialien möglichst so zu präsentieren, dass man sie möglichst gut versteht.

Schreibt man eine Facharbeit, dann hat man ein Thema und mehr oder weniger viele Informationsquellen, die sehr unterschiedlich sind – im Wert und in der Verständlichkeit.

Hier schon mal eine kleine Vorschau auf unsere Video-Dokumentation. Näheres dazu weiter unten.

Beispiel für einen harten Info-Brocken

Wir wollen hier einmal einen besonders harten Brocken vorstellen – und es ist sogar ein Wikipedia-Artikel. Auch dort denkt man nicht immer an einen breiten Nutzerkreis, sondern da schreibt ein Fachmann für alle anderen.

Aber schauen wir mal, was man trotzdem verstehen kann.

Es geht um die „Sprachdynamiktheorie“ und hier ist der entsprechende Wikipedia-Artikel zu finden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachwandel#Grammatikalisierungsmodell

Schauen wir uns den entsprechenden Abschnitt (Stand 23.04.2020) mal genauer an:

Sprachdynamiktheorie (laut Wikipedia)

  1. „Jürgen Erich Schmidt und Joachim Herrgen unterscheiden in ihrer 2011 erschienenen Sprachdynamiktheorie zwischen drei Synchronisierungsakten, der Mikro-, Meso- und Makrosynchronisierung, nach denen sprachdynamische Prozesse ablaufen.“
    • Hier wird auf zwei Wissenschaftler verwiesen, mit denen man sich genauer beschäftigen müsste. Links gibt es ja. Leider führen die ins Nichts, man müsste also ansonsten im Netz suchen.
    • Auf jeden Fall geht es um „sprachdynamische Prozesse“. Hier wird also Sprache als etwas Dynamisches, d.h. Veränderliches begriffen.
    • Außerdem werden drei Varianten von „Synchronisierungsakten“ genannt. Später werden wir sehen, dass die Fachwörter unnötig fremd klingen, aber auf recht einfache Unterscheidungen verweisen.
  2. „Der Terminus der Synchronisierung ist dabei als Gegenbegriff zur linguistischen Synchronie zu begreifen, da letztere statische Zustände beschreibt und damit einen prozessunabhängigen Sprung von Sprachzustand zu Sprachzustand voraussetzt, der der Beschreibung eines hochgradig dynamischen Systems wie Sprache insofern unangemessen ist, wie er deren zugrundeliegenden Gesetze terminologisch nicht zu beschreiben im Stande ist.[13]
    • Dann wird ein Gegenbegriff genannt und ungefähr deutlich, worum es geht. Man hebt sich ab von einem Umgang mit Sprachentwicklung, bei der vorwiegend „statische Zustände“ beschrieben werden. Das bedeutet letztlich, dass sich die Sprache sprunghaft von einem statischen Zustand zum nächsten entwickelt.
    • Den  Leuten hier geht es also um die Übergänge, die als Prozess begriffen werden.
    • Betont wird der dynamische Charakter der Sprache, der eher für dieses Modell spricht.
    • Außerdem sieht man Gesetze, die man nur im dynamischen Modell präzise beschreiben kann.
    • Da sind wir doch mal gespannt 😉
  3. „Mit der Einführung des Synchronisierungsbegriffs soll insbesondere die zeitliche Dimension als konstitutiver und obligatorischer Bestandteil jedweder sprachlichen Interaktion berücksichtigt werden.“
    • In diesem Satz wird noch mal betont, dass dieses Sync-Modell vor allem die „zeitliche Dimension“ in den Blick nimmt, der mit dem Sprachwandel einhergeht.
    • Langsam gewöhnen wir uns an die Gedanken, erkennen bestimmte Elemente wieder und verstehen uns langsam in die Denke der Leute hinein.
  4. „Der generelle Terminus der Synchronisierung ist dabei als „Ableich von Kompetenzdifferenzen im Performanzakt[14] zu verstehen, deren Folge eine Modifizierung oder Stabilisierung des eigenen individuellen Sprachverhaltens und -wissens innerhalb einer Kommunikationssituation bewirkt.“
    • Hier wendet man sich jetzt dem Schlüsselbegriff und  -phänomen der „Synchronisierung“ zu.
    • Und dann ist man doch sehr erstaunt, einen Begriff wie „Ableich“ präsentiert zu bekommen.  Sicherheitshalber schauen wir im Internet-Duden nach und stellen erfreut fest, dass man dort einen Rechtschreibfehler vermutet. Es soll eigentlich „Abgleich“ heißen. Na toll.
    • Es geht also um den Vergleich verschiedener Dinge mit dem Ziel der Harmonisierung – und zwar um „Kompetenzdifferenzen“ im „Performanzakt“.
      Da schauen wir doch gleich mal nach, was darunter zu verstehen ist.
      Auf der Seite: https://www.performativ.de/
      wird deutlich, dass damit gemeint wird, dass mit dem Sprechen zugleich auch gehandelt wird. Als Beispiel fällt uns immer das „Ja“ vor dem Traualtar ein. Dann darf man sich nämlich küssen und hat hoffentlich ein schönes Leben zu zweit vor sich.
      Bleibt die Frage, was „Kompetenzdifferenzen“ in solchen Sprechakten sind. Es geht um Unterschiede in der Kompetenz – und zwar beim Sprachwandel.
      Uns fällt da erst mal nur ein, wie es Eltern geht, wenn ihre Kids Jugendsprache verwenden. Dann haben wir genau diese Kompetenzdifferenzen. Mal schauen, ob der Artikel hier noch präziser wird.
  5. Ausgangspunkt und erste Ebene jedes Synchronisierungsaktes ist dabei die Mikrosynchronisierung:
  6. „Unter Mikrosynchronisierung verstehen wir punktuelle, in der Einzelinteraktion begründete Modifizierung und zugleich Stabilisierung des individuellen sprachlichen Wissens.“

    Jürgen Erich Schmidt, Joachim Herrgen[15]
    • Jetzt wendet sich der Artikel den drei Ebenen des Sprachwandels zu.
    • Als erstes geht es um die „Mikrosynchronisierung“. Das sind kleine sprachliche Modifizierungen, bezogen auf einen Punkt und als einzelne Aktion.
      Das ist gegeben, wenn jemand in einer Rede witzig sein will und dabei was Neues erfindet. Dazu gehören Neologismen, aber bei der ersten Verwendung, wenn sie noch nicht zur Norm geworden sind. Gedichte enthalten zum Beispiel viel auf dieser Ebene.
  7. „Mesosynchronisierungen stellen hingegen eine systematisch auftauchende Folge gleichgerichteter Synchronisierungsakte über einen längeren Zeitabschnitt innerhalb bestimmter Gruppen (Peergroups, Ehe- und Familienleben) dar.“
    • Die nächste Stufe bedeutet dann, dass so eine Neuerung über längere Zeit innerhalb einer Gruppe verwendet wird. Typisch für Jugendsprache.
    • Man merkt übrigens spätestens hier, dass diese Wissenschaftler diese Aussagen unbedingt mit Beispielen versehen sollten . Nicht, weil ihre Leser zu dumm sind, sondern weil zur Sprache immer auch Klarheit gehört – und da reicht eine allgemeine Definition häufig nicht.
  8. „Makrosynchronisierungen sind dagegen Angleichungsprozesse über sehr lange Zeiträume zu verstehen, „mit denen Mitglieder sich an einer gemeinsamen Norm ausrichten.“[16] und „zwischen denen kein persönlicher Kontakt bestehen muss.“[17]“
    • Die dritte Stufe betrifft dann lange Zeiträume und geht über einzelne Gruppen hinaus.
    • Man glaubt es kaum, jetzt kommt ein Beispiel.
  9. Ein Beispiel der letzten Art ist etwa in der Lutherbibel zufinden, an der sich Millionen von Sprechern über Jahrhunderte hinweg orientierten und damit als konventionalisiertes Artefakt der Sprachnormierung langfristige Spuren in der Sprachgeschichte des Deutschen hinterließ.
    • Das Beispiel hier ist wirklich sehr schön, wenn man weiß, welche ungeheure Bedeuetung Luther und seine Bibelübersetzung für die Entstehung einer gemeinsamen deutschen Hochsprache hatten.
  10. „Ebenso die Kodifizierung der Schriftsprache, beispielsweise ersichtlich an der jahrzehntelangen Orientierung an Wörterbüchern wie der Duden-Orthografie, sowie die damit verbundene institutionell vorgegebene präskriptive Normierung sind Bestandteil derartiger Makrosynchronisierungen.“
    • Dann noch ein zweites Beispiel. Wer sich ein bisschen mit verschiedenen Duden-Ausgaben, vor allem nach der Rechtschreibreform, beschäftigt hat, der weiß, wie sehr dort darum gerungen wird, wieder eine einigermaßen brauchbare gemeinsame Norm herzustellen, nachdem der Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet worden war.
    • Mit „präskriptiver Normierung“ ist gemeint, dass die Normierung sich eben nicht von unten durch die Sprecher einer Sprache selbst ergibt, sondern von oben gesetzt wird.
    • Das war ja bei der sog. Rechtschreibreform ein unglaubliches Experiment, während vorher der Duden immer versuchte, die aktuelle Sprachpraxis in ihren Veränderungen so zu erfassen, dass man wusste, was „norm-al“ war.
  11. „Der kontinuierliche Prozess des Sprachwandels geschieht demgemäß in zeitlich verzögerten positiven oder negativen Rückkopplungseffekten, die modifizierend oder stabilisierend auf das jeweilige individuelle Sprachverhalten einwirken.“
    • Hier wird vom „kontinuierlichen“, also ständig ablaufenden und sich weiter entwickelnden Prozess des Sprachwandels ausgegangen.
    • Hervorgehoben wird noch mal, dass es Rückkopplungseffekte gibt, was man bei der Rechtschreibreform sehr gut sehen kann. Dort wurde zunächst zu viel an Möglichkeiten zugelassen – und der Duden hat dann versucht, das wieder ein bisschen zurückzubinden. Dabei war es wichtig, „dem Volk aufs Maul zu schauen“, wie Luther es formuliert hat. Gemeint war mit der typisch lutherischen drastischen Formulierung, dass man eben schaut, wie die Leute sprechen und daraus das Beste für alle macht.

Auswertung

  1. Inhaltlich sieht man, dass hier eine relativ einfache Sache ungeheuer aufgeblasen wird.
  2. Es geht darum, dass man beim Sprachwandel nicht einfach verschiedene Entwicklungsstufen scharf von einander abgrenzt,
  3. sondern schaut, wie die Sprachgemeinschaft von der einen Stufe zur nächsten gekommen ist.
  4. Und dabei war es immer schon selbstverständlich, dass eine Neuerung irgendwo mal entstanden ist, dann von der „Peergroup“ übernommen wurde und sich im Idealfall so ausbreitete, dass eine neue Norm entstand.
  5. Ein typisches Beispiel sind solche Kraftausdrücke wie „geil“, das das Wort „toll“ irgendwann abgelöst hat, weil es zu „normal-al“ gewordenwar. Mit „geil“ konnte man dann wieder die ältere Generation erschrecken – und jeder kann jetzt selbst mal schauen, durch welche kräftigeren Ausdruck auch dieses Wort ersetzt worden ist. Man kann es ja auch mal selbst probieren, ob man es über die drei Stufen der Sprachdynamiktheorie bis in den Duden schafft 😉
  6. Es ist klar, dass man sich hier jetzt noch intensiver mit der Theorie beschäftigen muss, denn die hat sicher noch mehr zu bieten als die hier kompliziert ausgedrückten Selbstverständlichkeiten.
    Wir sind zum Beispiel auf dieser Infoquelle gestoßen, verzichten aber darauf, hier genauer darauf einzugehen (dort S.12)
    https://books.google.com/books/about/Variation_und_Wandel_im_Blickpunkt.html?hl=de&id=Z21UDwAAQBAJ
    Uns kam es nur darauf an zu zeigen, wie man mit solchen Informationsquellen intelligent und kritisch umgehen und sie vor allem für die eigene Facharbeit nutzen kann.
  7. Die Methode besteht vereinfacht gesagt darin, sich erst mal nicht entmutigen zu lassen und dann:
    1. solche Texte erst mal in Informationseinheiten zu zerlegen
    2. diese dann möglichst zu verstehen – durch Nachschlagen, Recherchieren und eigene Überlegungen,
    3. vor allem verschiedene Textteile in Verbindung zu bringen, weil sich manches wiederholt oder gegenseitig erklärt.
    4. weitere Informationsquellen heranzuziehen diese sich dann gegenseitig „erklären“ zu lassen.
    5. Am Ende sich ein eigenes Bild davon zu machen. Wir selbst arbeiten gerne mit Schaubildern, die man dann später in der Arbeit versprachlichen kann.

Video-Dokumentation

Das zugehörige Video ist hier zu finden:

Weiterführende Hinweise

  • Ein alphabetisches Gesamtverzeichnis unserer Infos und Materialien gibt es hier.
  • Eine Übersicht über unsere Videos auf Youtube gibt es hier.